Welcher Farbfächer ist der Richtige?

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Diese Frage wird mir oft in Farbseminaren und Farbworkshops gestellt. Ich möchte ein Beispiel aus meiner Farbberatung anführen:

Für das Schlossmuseum Darmstadt wurde ich mit der Erstellung eines Farbkonzeptes beauftragt. Es ging nicht nur um die Festlegung der Wandtöne, sondern vor allem um die Farbigkeit der Ausstellungsvitrinen und der Empfangstheke mit Museumsshop.

In einen der ersten Gespräche (der Schreiner stand noch nicht fest) fiel die Wahl schnell und einstimmig auf einen feinen, verhüllten Grünton aus dem Caparol 3D-System als matte Lackoberfläche für die Ausstellungsvitrinen. Bei der Empfangstheke war die Farbauswahl sehr eingegrenzt, da ein Schichtstoff gewünscht war. Mit den Möbeln wurden zwei verschiedene Schreiner beauftragt. Der Schreiner der Vitrinen-Möbel konnte aber nur den Lack nach NCS abtönen. Also hieß es einen vergleichbaren Ton im NCS Fächer zu finden. Dies war nicht so einfach, da die Töne des NCS Fächers klarer und farbiger sind (da herstellerunabhängig und nicht materialbezogen) und die Breite der verhüllten Nuancen nicht so groß ist wie in dem 3D-System plus (Auswahl der Farben architekturbezogen). Der Ton konnte nur annährend in NCS „übersetzt“ werden.

Der andere Schreiner, der mit dem Thekenbau beauftragt wurde, hatte die Möglichkeit alle Töne einzumessen und dementsprechend zu tönen. Hier lag die Herausforderung vielmehr darin, die 4 Töne des Schichtstoffs exakt einzumessen, da auch im gleichen Farbton des Schichtstoffs  Lackflächen im Shopbereich vorgesehen waren. (Achtung! Bei gleichen Farbtönen bei angrenzenden Flächen in unterschiedlicher Materialität – hier Lack und Schichtstoff – kann es bei Kunstlicht zu einem Metamerie-Effekt kommen).

Wenn möglich sollte also zuallererst geklärt werden, mit welchen Farbsystem/ fächer  (in diesem Fall) der Schreiner arbeitet und ob er jeden Ton abtönen kann. Hat man sich erstmal auf einen Farbton festgelegt, ist es schwer sich wieder von ihm in seinen feinen Nuancen zu verabschieden. D.h. die Wahl des Fächers ist u.a. abhängig von Material, Gewerk bzw. Handwerker und Hersteller.

Selbstverständlich gilt dies auch für andere Bereiche wie z.B. der Möbel. Im Moment geht der Trend im Möbelbereich zu Farbe „allover“ d.h. Sitzfläche und Gestell werden vermehrt in der gleichen Farbigkeit angefragt. Was bieten hier Hersteller an? Eine eigene meist sehr eingeschränkte Farbkollektion? Kann nach RAL Classic (213 Farbtöne) abgetönt werden? Besser noch nach RAL-Design (1625 Farbtöne)?

Bei der RAL Classic Farbtonkarte handelt es sich z.B. um eine reine Sammlung von Einzelfarbtönen, die für konkrete Belange aus Industrie und gesellschaftlichem Leben von allgemeinem Interesse sind. Sie definieren Standards für die Produktherstellung und ermöglichen Planbarkeit und „Identifikation“. Beispiele: RAL 1015 Hellelfenbein: bis 2004 die gesetzlich vorgeschriebene Farbe für Taxis, RAL 4010 Telemagenta: die Unternehmensfarbe der Telekom oder RAL 9016 Verkehrsweiß: Standardfarbton für Lichtschalter, Steckdosen, Heizkörper, Kabelkanäle u.ä.

Wann nimmt man welchen Farbfächer? Was unterscheidet die Farbsysteme/ fächer voneinander? Wie sind sie aufgebaut? Diese Fragen und mehr werden in meinen Farbseminaren beantwortet. Schauen Sie vorbei.

Simone Ferrari

Die Autorin

Simone Ferrari arbeitet als Innenarchitektin und Referentin im Themenfeld Farbe und Farbgestaltung

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